|
|
Die Stratzinger Hiatahittn wurde im Jahre 2003 restauriert |
|
Die Stratzinger Weingartenhüter, kurz „Hiata“ genannt, dürfte es zumindest seit dem 15. Jahrhundert gegeben haben. Sie wurden von der Gemeinde aufgenommen, wobei ein Art Ausschlussverfahren vorgenommen wurde, wo zwei (früher drei) Hiata gezogen und vom Bürgermeister vereidigt wurden. Der Hiata mußte einen einwandfreien „Leumund“ haben. Die Hiata waren an das Amtsgeheimnis gebunden, das Versprechen zur Erfüllung der Pflichten wurde per Handschlag erfüllt. Die Hiata hatten ortsübliche Amtsgewalt und die primäre Aufgabe, die Weintrauben vor Diebstahl zu schützen.
| Die Dauer betrug rund 2 Monate, jedenfalls bis zum
letzten Lesetag. Zwei Bürgen (Gemeinderäte) haben den Dienst der Hiata überwacht.
Das Hiatageld wurde pro Viertel Weingarten bemessen und von der Gemeinde
beschlossen. Die Hiata haben selbst das Geld von den Landwirten im Spätherbst/Winter
einbringen müssen. Der Verdienst war ungefähr so hoch, dass man sich eine schöne
Lederjacke kaufen konnte. Der letzte Stratzinger Hiata war Herr Johann Bruckner
im Jahre 1956.
Es gab früher in Stratzing 3 Hiatahütten, eine
befand sich bei der Drosserstraße (ungefähr Ortsanfang), die zweite in der
Riede Satzen und eine dritte Hütte in der Riede Kreuzschragen (Ende Alter Straße). |
Die Hitahittn in der Riede Satzen blieb erhalten |
|
Hiatastern |
Die Hiata hatten den Eingang zur Hiatahittn mit einer
Art „Scheicha“ aus Stecken, Gehölz und Laub verbaut, damit niemand sehen
konnte, ob sich der Hiata in der Hittn befindet oder nicht. Weiters wurde ein
schöner 5 – 6 m hoher Hiatastern aus kleinen Holzsternchen, teilweise mit
rotem Samt unterlegt, mittig mit einem Herz, vor der Hittn aufgestellt, auf
welchem eine Distel als Symbol der Überwachung hing. Das Gelände um die Hittn
wurde mit Wehrmutkraut verschönert. |
In den Hittn befanden sich ein Bett („Pritschn“),
ein Tisch und ein Sessel. Die Hiata hatten innen einen runden Hiatakranz aufgehängt,
der aus Wehrmutkraut geflochten und mit einer schönen Traube und einigen Äpfeln
verziert war. Ein Besuch, auch von jungen Damen, wurde oft mit einer guten
Frucht belohnt. In der Hittn befand sich weiters eine verzierte Stellage mit
Obst, oft wurde die Hittn auch mit Girlanden verschönert.
Der Hiata war mit einem Hut und einem Hiatasträußerl
aus Wehrmutkraut („Miattnsträußl) als Symbol für Macht und einem Wetterrock
bzw. einer Kalmukjacke bekleidet. Weiters trugen sie einen Gehstecken, ein
Fernglas und später eine Batterielampe. Während des Krieges waren die Hiata
mit einer Plakette versehen und waren zum Tragen einer Waffe berechtigt. Die
Hiata verständigten sich mit einem Drillpfeiferl untereinander wenn Gefahr
drohte bzw. Hilfe benötigt wurde.
Jeder Weingartenbesitzer hatte früher seine Bottiche
im Weingarten stehen gelassen. Der Hiata malte darauf ein Zeichen als Garantie
dafür, dass man die Bottiche gesehen hatte. Ebenfalls wurden auch die
Schusskarren so gekennzeichnet.
| Die Hiata hatten auch die Aufgabe, das Obst zu
bewachen. |
Ausblick durch eine Luke in die Weinlandschaft. |
Die Gemeinde besaß früher viele Obstbäume. Das
Obst wurde dann unter Anwesenheit des Hiata „lissetiert“ (versteigert), und
der Höchstbieter konnte die Früchte des Baumes ernten. Jeder Baum wurde mit
einer Nummer und dem Namen des Besitzers versehen.
Die Gehwege und Güterwege zu den Fluren wurden mit
zirka 2 m hohen Stangen und einem Hiatakreuz, an dessen Ende Hagebutten („Hetscherl“)
angebracht waren, gekennzeichnet. Außerdem wurde oft ein Zusatzschild
„Verbotener Weg“ angebracht.
Erfolgreiche Hiata konnten oft Diebstahl von Trauben
und Obst verhindern. Wurde ein Dieb erwischt, so ist er beim Bürgermeister
vorgeführt bzw. bei kleineren Vergehen ermahnt worden. Zur Hauptmahlzeit gingen
die Hiata meist nach Hause. Die Hiata verewigten sich oft in den Weinkellern, wo
sie essen und trinken durften, auf den Pressbäumen der Baumpressen.
Es
gab früher auch ein Weinlesefest, welches vom Ländlichen Fortbildungswerk
veranstaltet wurde. Dort wurde vom Wirt für den Hiata ein Essen gegeben. Auf
der Decke hängte man Trauben und Äpfel auf. Die Burschen versuchten, für ihre
Tanzpartnerin eine Frucht zu ergattern und mußten dafür bezahlen.
Außerdem gab es die sogenannte „Kussglocke“.
Wenn ein Tanzpaar unter die Glocke tanzte, ließ man diese schnell herunter. Der
Mann mußte die Frau küssen und dafür bezahlen.
Für den Text zeichnet sich der Kulturausschuss der Marktgemeinde Stratzing (Ing. Leonhard Czipin) verantwortlich.
Mit freundlicher Unterstützung von: Herrn Karl Brauner, Herrn Franz Schwab und Herrn Edmund Czipin